Erlkönig

„Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?/ Es ist der Vater mit seinem Kind; /
Er hat den Knaben fest im Arm, / Er hält ihn sicher, er hält ihn warm. /
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? — / Siehst Vater, du den Erlkönig nicht? /
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? — / Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“

Die Illustrationen zu Goethes „Erlkönig“ (1782) wollen die große Emotionalität einfangen, die dieses Gedicht prägt. Es geht um Leben und Tod; es geht, für den Vater, um die Liebe zu seinem Kind und um Hoffnung auf Rettung. Das Kind erlebt dagegen eine andere Welt: die der Bedrohung durch den Erlkönig. Der Erlkönig ist hier eine ambivalente, offene Figur. Er formt sich aus Nebelschwaden, aus Wolken und vorbeiziehender Landschaft. Die rätselhafte Natur spielt in Goethes Gedicht eine zentrale Rolle. Daher sind die Landschaftsbilder als eine stimmungsvolle Kulisse der Handlung angelegt, in der Nebelschwaden klare Konturen auflösen und die Bäume magisch und geheimnisvoll erscheinen.

Das erste und das letzte Bild zum Text sind wie Theaterbühnen gestaltet, mit erkennbaren Kulissen und Bühnenlicht. Damit soll die aus heutiger Sicht besondere literarische und theatralische Dimension des „Erlkönigs“ veranschaulicht werden.

Technik: Collage/ Zeichnung

Verlag Bibliothek der Provinz 2007

Auszeichnungen: Die schönsten Bücher Österreichs 2008; Kollektion des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2008

© Prof. Dr. Jens Thiele 2010–2011